Sozio-ökonomische Bildung in Europa

Von Mai bis Juli 2022 finden in sieben europäischen Städten, in Berlin, Wien, Prag, Tartu, Lublin, Dublin und Barcelona, Veranstaltungen zur sozio-ökonomischen Bildung statt, um die Lernplattform für sozio-ökonomische Bildung in Europa vorzustellen.

Die Kolleg/innen der beteiligten Partnerorganisationen stellen die Plattform einem lokalen Publikum vor, diskutieren verschiedene Kursthemen mit den Teilnehmern und wenden Methoden an, die sie während der Zusammenarbeit von ihren Partnern gelernt haben. Ziel ist es, Erwachsenenbildner zu befähigen, sozioökonomische Themen in ihre Bildungsarbeit einzubeziehen. Ziel ist es auch, dass die Bürgerinnen und Bürger Anregungen finden und sich mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen befassen. Die Kurse können sie dabei unterstützen, ein eigenes, reflektiertes Urteil zu relevanten und aktuellen Themen zu entwickeln. Dies geschieht in der Überzeugung, dass die Ideen aller Menschen benötigt werden, um demokratische Lösungen für die verschiedenen Krisen und Herausforderungen in Europa und weltweit zu finden.

DIE WELT UM UNS HERUM IN EINEM WIRTSCHAFTLICHEN Zusammenhang sehen

Wie lassen sich die aktuellen ökonomischen Herausforderungen und Ungleichheiten bewältigen?

Die Organisation AVITEUM mit Sitz in Prag / Tschechische Republik richtete am 22. Juni 2022 ein Seminar zur Vorstellung der Lernplattform und des Austauschs zu wirtschaftlichen Herausforderungen aus. Auf dem Programm standen unter anderem diese Fragen: Wie wirkt sich die Wirtschaft auf unser Leben aus? Haben Frauen und Männer unterschiedliche Positionen auf dem Arbeitsmarkt? Was ist feministische Ökonomie und wie kann sie zum Abbau von Ungleichheiten beitragen? Wie können wir uns über wirtschaftliche Themen informieren? Welche praktischen Werkzeuge stehen uns dafür zur Verfügung? Welche werden durch die Lernplattform angeboten? Schließlich: Wie können wir die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen bewältigen?

Damit nahmen die tschechischen Kolleginnen Aspekte auf, die sie selbst bearbeitet haben (Feministische Ökonomie, Wirtschaftliche Stärkung von Frauen). Sie integrierten zugleich Fragen, zu denen Kolleginnen der Partnerorganisationen Kurse entwickelt haben und stellten sie einem breiten Publikum zur Diskussion.

Die Teilnehmer/innen artikulierten Zuspruch zur thematischen Vielfalt, wie sie durch die Lernplattform deutlich wird. Sie ließen auch erkennen, dass mehr Bildungsmaterialien darüber benötigt würden, wie man Ersparnisse einsetzen kann, um einen Wertverlust durch Inflation zu vermeiden. Ebenso sollte die Bereitschaft zur Aneignung digitaler Kompetenzen und kritischen Denkens gefördert werden. Vorgeschlagen wurde auch, das Thema der Geschlechtergerechtigkeit in Unternehmen aufzunehmen und auch entsprechend neue Aufrufe durch das ESF-Programm einzufordern.

Die Reflexion wirtschaftlicher Herausforderungen kann einiges in Gang setzen…

#zukunftsfähig?

Sozioökonomische Bildung zu Ungleichheit und Klimakrise

Unter diesem Titel lud die Wirtschaftsuniversität Wien am 14. Juni 2022 zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Volkshochschule Wiener Urania, um die Lernplattform einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und sozioökonomische Bildung praktisch werden zu lassen. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass durch die Klimakrise sowohl die Art und Weise herausgefordert wird, wie Gesellschaften ihre Wirtschaft gestalten, sondern auch, was und wie wir über Wirtschaft lernen.

Dank der Kooperation mit der Volkshochschule waren auch nicht wenige Erwachsenenbildner/innen zugegen, die gleich zu Beginn die Methode “Ökonomisches Speeddating” kennen lernen konnten. Was sich dahinter verbirgt? Ganz einfach: Bei Musik bewegen sich die Veranstaltungsbesucher/innen im Raum (unabhängig von der Anzahl der Teilnehmer). Hört diese auf, kommt man mit der nächststehenden Person ins Gespräch. Die Fragen gibt die Trainerin/der Trainer vor.

Nach diesem interaktiven Auftakt folgte ein thematischer Impuls über “Zukunftsfähiges Wirtschaften”. Dem schlossen sich zwei Übungen an, durch die Veranstaltungsbesucher/innen wiederum zum “lernenden Mittun” eingeladen wurden: Die eine war eine Diskussion zu möglichen Maßnahmen, um soziale und ökologische Ungleichheit zu verringern. Die andere beinhaltete ein “Freewriting” über Facetten einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Damit war das Augenmerk nicht allein auf die Analyse von Problemfeldern gerichtet. Gefragt wurde auch nach Ideen – und damit anerkannt, dass die Bewältigung all der Herausforderungen eine gesamtgesellschaftliche (Lern-)Aufgabe ist. Solcherart eingestimmt auf das Nachdenken über sozioökonomische Fragen, wurde dem Auditorium gleichsam als “krönender Abschluss” des Abends die Lernplattform vorgestellt.

Bei einem Imbiss und Getränken setzten die Beteiligten ihre Gespräche in kleiner Runde fort.

Modernes Geld und die Kontroverse um den Digitalen Euro

Am 19. Mai 2022 veranstaltete weltgewandt e.V. zusammen mit der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek Berlin einen Abend zur Vorstellung der Lernplattform zur Ökonomischen Allgemeinbildung in Europa. Die Plätze waren alle besetzt, als vier Kolleginnen ihre Kurse zur Modernen Geldtheorie, Strategien zur Bewältigung von Krisen, Einführung in die Feministische Ökonomie und Wirtschaft und Klima zur Diskussion stellten. In Zeiten aufkeimender Inflation reizte gerade der Kurs zur Modernen Geldtheorie (MMT) zu Fragen aus dem Publikum. Ist eine Politik angemessen, mit der ein Staat Geld ausgibt und Arbeitsplätze schafft, auch wenn die Staatseinnahmen nicht allzu hoch ausfallen? Kann das Geld ausgeben zu Inflation führen? Nein, kann es nicht, sagen Vertreter von MMT. Warum? Das kann man am besten in dem Kurs nachlesen.

Im Anschluss daran stand ebenfalls das Geld im Zentrum des Interesses. Das Augenmerk richtete sich nun auf die Frage nach dessen Digitalisierung und das heißt, nach Plänen der Europäischen Zentralbank einen Digitalen Euro einzuführen. Welche Konsequenzen wird dies für die Bürgerinnen und Bürger haben? Was dürfte daran Fluch, was Segen sein?

Dazu wurden Gäste eingeladen, die verschiedene Positionen zu dem Thema einnehmen: Dirk Schrade von der Deutschen Bundesbank (als Teil des Systems der Europäischen Zentralbanken), Dr. Norbert Häring, Journalist und Buchautor, und Dr. Dirk Ehnts, Vorstandssprecher der Pufendorf-Gesellschaft. Letzterer stellte die ökonomische Notwendigkeit eines Digitalen Euro – das heißt, von „elektronischem Bargeld“ – in Frage. Digitales Bezahlen sei längst gang und gäbe und funktioniere gut. „Wir haben die Lösung, wissen daher nicht, was das Problem ist“ – auf das der Digitale Euro die Antwort bieten solle.

Dirk Schrade verwies auf die Gründe der beabsichtigten Einführung: a) technische Entwicklungen – es würde besonders in einigen Ländern weniger Bargeld benutzt und b) Währungskonkurrenz. Damit sprach er das Projekt Libra, jetzt Diem von Facebook (inzwischen Meta) an. Dessen weltweite Durchsetzung hätte die Macht von Zentralbanken zugunsten von Großkonzernen beeinträchtigt. Dr. Norbert Häring wiederum warnte vor der Abschaffung des Bargeldes und damit einhergehend dem Verlust von Privatsphäre. Er verwies auf die Gefahr, dass ein Digitaler Euro mit der Einführung eines Sozialkreditsystems nach chinesischem Vorbild einhergehen könne. Entsprechende Pilotprojekte würden bereits in Bologna, Rom, Wien und Bayern realisiert werden.

Die Demokratie muss verteidigt werden“, meinte Dirk Schrader und betonte, dass vieles davon abhänge, wie ein Digitaler Euro ausgestaltet werde.

Darüber und über weitere Fragen kam das Publikum anschließend mit den Referenten und untereinander bei Sommerrollen, Brezeln und Getränken ins Gespräch.

Wir präsentieren die Lernplattform

Die Kolleginnen und Kollegen des Projektkonsortiums kommen erneut zusammen und präsentieren das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, eine Plattform zur sozioökonomischen Bildung. Die Veranstaltung findet am 19. Mai 2022 um 18 Uhr in der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek in Berlin-Weißensee statt. Die Vorstellung des Projekt und von Teilen der Plattform werden in ein sogenanntes Economic Speed Dating münden, um das Publikum in Kontakt zu bringen.

Dies wird verbunden mit der Diskussion eines aktuellen Themas. Unter dem Titel „Der Digitale Euro: Fluch oder Segen?“ debattieren Dirk Schrade, Deputy Director General, Payments and Settlement Systems, Deutsche Bundesbank, Dr. Norbert Häring, Handelsblatt und Dr. Dirk Ehnts über die Pläne, ein digitales Zentralbankkonto für alle Bürger/innen einzurichten. Welche Folgen dürfte dies für die Bürger/innen haben? Wird damit die Abschaffung des Bargelds befördert? Bestünde dadurch ein Grund zur Sorge, da doch das ‚smarte‘ Bezahlen den Zahlungsverkehr nur erleichtert? Doch was ist Geld? Wie wird es geschaffen? Und welche Rolle kommt der Zentralbank in einer Wirtschaft zu? Wie kann ein „Update“ von Demokratie gelingen – in Zeiten der Digitalisierung des Geldes?
Der Abend wird von Sophia Bickhardt, weltgewandt e.V., moderiert.

Weitere Informationen finden Sie in der Einladung bzw. dem Veranstaltungsflyer.

Im Überblick

18.00 – 18.30 Uhr Präsentation der Lernplattform

18.30 – 19.00 Uhr „Ökonomisches Speed dating“

19.00 – 20.30 Uhr Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung: Der Digitale Euro: Fluch oder Segen?

20.30 – 21.30 Uhr Kulinarische Häppchen zum Ausklang

Ort: Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek, Bizetstr. 41, 13088 Berlin-Weißensee, 3. Etage, Tram M4, M 13, 12 Haltestelle „Antonplatz“ (15 Minuten vom Alexanderplatz entfernt)

Zeit: Donnerstag, 19.05. 2022, 18-21.30 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung von weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung in Kooperation mit der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek, gefördert vom Programm Erasmus+ der Europäischen Union.

Bild: Immo Wegmann auf Unsplash

Die Euro Story. Film

Mehrfach wurde er schon totgesagt: der Euro. Doch er besteht fort. Wie kann es weiter gehen? Welche Chancen bieten dafür die gegenwärtigen Krisen? Wovon hängt es ab, dass sie genutzt werden? Ein Film anlässlich der Einführung des Euro vor nunmehr 20 Jahren.

Auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=UNQsWfjLd3w

Aus der Ankündigung:

An seinem 20. Geburtstag kämpft der Euro immer noch mit seinen Geburtsfehlern und leidet unter den ständigen Spannungen zwischen den kollektiven und nationalen Interessen der europäischen Partnerstaaten. Doch die Coronakrise könnte das alles verändern: Der Euro steht am Scheideweg und der Moment der Entscheidung für diesen alten europäischen Traum rückt näher.

Im Dokumentarfilm „Die Euro Story“ kommen die wichtigsten Zeitzeugen für das Europrojekt zusammen, um die Vergangenheit zu reflektieren, die Gegenwart zu analysieren und Hoffnungen und Ängste für die Zukunft zu artikulieren: Wolfgang Schäuble, Romano Prodi, Theo Waigel, Jean-Claude Juncker, Jean-Claude Trichet, Yanis Varoufakis, Giuliano Amato und Nouriel Roubini sind zwar keine Historiker, aber sie waren dabei, als die bedeutendste Periode der europäischen Integration ihren Lauf nahm.

Zum 20. Geburtstag des Euro teilen die Macher ihre Erinnerungen an diese monumentale Aufgabe, die Guten und die Schlechten, die Erfolge und Fehler, die Freuden und Ernüchterungen.

Autorin und Regie : Annalisa Piras

DE, 2021, zdf

Quelle: arte.de

Kein Buch mit Sieben Siegeln

Workshop zu ökonomischer Grundbildung in Lublin/Polen

Soziale Ungleichheit, Ökologie, Klima, Wohnen, Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit – beinahe alles hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Man muss keine höheren Weihen besitzen, um solche Zusammenhänge zu verstehen. Genau das ist der Ansatz unserer Kooperation von Kolleg/innen aus sieben Ländern Europas. Sie trafen sich vom 22.-26.02.22 zu einem fünftägigen Workshop in der WSEI-Universität in Lublin/Polen. Erprobt wurden Methoden der Vermittlung und Diskussion wirtschaftlicher Themen in der Erwachsenenbildung.

So konnten sich die Beteiligten in einem „economic speed dating“ zu Fragen sozialer Ungleichheit austauschen. Welchen Zusammenhang sehen sie zwischen Ungleichheit und Selbstvertrauen, welchen zwischen Klimawandel oder Gesundheit? Definitionen und Facetten des Begriffs, Aspekte zu Geschichte und Gegenwart globaler Ungleichheit, Einkommens- und Vermögensungleichheit zwischen Ländern und mehr wurden in einem anschließenden Impulsvortrag erörtert. Zur Sprache kam auch, auf welch unterschiedliche Weise die Länder zum CO2-Ausstoß und damit der globalen Erwärmung beitragen.

Dann waren Neugier und Spürsinn gefragt, als die Teilnehmer/innen die Umgebung erkundeten und dabei diese Fragen berücksichtigen sollten: „Wo kannst du Ungleichheit wahrnehmen?“, „Für wen ist die Infrastruktur (nicht) gebaut?“, „Welche Rolle spielt Geld?“, „Wo um dich herum könnte Ungleichheit gegeben sein, die du nicht sehen kannst?“.

Der darauffolgende Austausch über die Erkundungen ging über in die Erörterung von Maßnahmen zur Minimierung von Ungleichheit. Denn die Spaltung in arm und reich, gesund und nicht-gesund, beeinträchtigt – nicht beeinträchtigt etc. ist nicht nur ein moralisches Problem, das mit Demütigung für die Betroffenen einher geht. Es ist ein gesamtwirtschaftliches Problem. Ökonomien bleiben weit unter ihren Möglichkeiten, und Ressourcen werden verschwendet.

Im Verlauf der Woche wurde ein ganzer Blumenstrauß an Themen und Methoden zusammengetragen, um Bildungsmaterialien für die gemeinsame Lernplattform zu erarbeiten. Im Mittelpunkt standen Fragen zu Wachstum und Nachhaltigkeit, Steuern, verschiedene ökonomische Schulen, Migration, feministische Ökonomie und die weitere Digitalisierung des Geldes.

Nach der Erfahrung eines ausschließlich online veranstalteten Workshops im November 2020 hatte sich die Projektgruppe dieses Mal für eine Hybrid-Veranstaltung entschieden. So waren die Beteiligten aus vier Partnerorganisationen in Lublin und die Kolleginnen aus Barcelona, Dublin und Tartu (Estland) am Bildschirm dabei. Dies ermöglichte einen deutlich intensiveren, inspirierenden Austausch.

Feedback eines Beteiligten: „Jetzt habe ich eine Idee von europäischer Kooperation. Eine sehr schöne Erfahrung.

Delikate Themen schmackhaft machen

Online-Diskussion zu Steuern und Migration: Steuern sind ein wichtiger Teil der Geschichte der Ungerechtigkeit in der Welt. Leider schrecken viele Menschen zurück, wenn sie das Wort „Steuern“ hören – es erscheint ihnen schwer verständlich, langweilig und vielleicht ein Thema, das man besser den „Experten“ überlässt! Dieser Leitfaden soll Ihnen als Erwachsenenbildner/in helfen zu verstehen, was Steuern sind, warum sie so wichtig sind, welche globalen Trends eine gerechte Steuererhebung bedrohen und was getan werden kann, um Steuerungerechtigkeit weltweit zu beseitigen.

So beginnt der Beitrag der irischen Kollegin zur Lernplattform. Wir haben ihn in der Projektgruppe von Kolleg/innen aus Österreich, Tschechien, Estland, Polen, Spanien und Deutschland diskutiert. Wir waren uns einig: Er macht Lust, sich dem Thema zu befassen.

Migration ist ein komplexes Phänomen. Es trifft Gesellschaften auf unterschiedliche Weise, seien sie Aufnahmeländer oder solche, von denen die Menschen weggehen. Wenn die gut Ausgebildeten das Land verlassen, bleiben dort Lücken. Das Aufnahmeland wiederum profitiert. Ausbildungskosten können gespart und die Bevölkerungsstruktur kann erhalten bleiben, wenn junge, qualifizierte Menschen kommen. Löhne müssen nicht steigen, weil mehr Arbeitskräfte da sind. Was aber, wenn Menschen nicht freiwillig kommen, sondern vor Krieg und Not fliehen? Was, wenn sie älter sind und ihre Abschlüsse nicht anerkannt werden? Wie unterschiedlich sind Menschen von Migration betroffen: die Personen selbst, die Unternehmen, die Bürger/innen? Der Beitrag des polnischen Kollegen von der WSEI-Universität in Lublin stimulierte zur Diskussion. Genau das wollen wir erreichen.

Politische Bildung heute

Im Oktober 2021 erschien beim Wochenschau-Verlag der Band „Standortbestimmung Politische Bildung. Gesellschaftspolitische Herausforderungen, Zivilgesellschaft und das vermeintliche Neutralitätsgebot“. Er wurde von Prof. Dr. Tonio Oeftering und Dr. Steve Kenner herausgegeben.

Die Projektleiterin von weltgewandt e.V., Sophia Bickhardt, hat dazu den Beitrag „Weltoffenheit braucht Weltverstehen. Politische Erwachsenenbildung im Digital-Kapitalismus“ verfasst. Darin wird u.a. Bezug auf die politisch-ökonomische Bildung und Fragen zur Digitalisierung des Geldes genommen. Die erwähnte Lernplattform zur sozio-ökonomischen Bildung konnte aufgrund von technischen Herausforderungen noch nicht online gestellt werden. Dies ist für Anfang des Jahres 2022 vorgesehen.

Feministische Ökonomie und ökologisches Wachstum

Sie sind wie eine Art Gesprächssalon. Unsere regelmäßigen Online-Treffen. Dieses Mal stellten die tschechische und die estnische Kollegin ihre Beiträge für die Lernplattform vor. In Feministische Ökonomie wird im Kontrast zur neoklassischen wirtschaftswissenschaftlichen Schule eingeführt. Besonders markant ist der Unterschied im Menschenbild. Neoklassiker gehen von der Annahme des „Homo economicus“ aus, der stets rationale Entscheidungen frei von jedem gesellschaftlichen Einfluss trifft, seine Interessen verfolgt und unbegrenzt Bedürfnisse hat. Feministische Ökonominnen nehmen demgegenüber an, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist, das durch verschiede Einflüsse wie Geschlecht, Alter, sozialen Status, Werte u.a. geprägt ist. Entsprechend würden die Entscheidungen des Menschen durch verschiedene Faktoren beeinflusst – schon aufgrund von ungleichen Ausgangslagen.

Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit – geht das? Was hat es mit „Grünem Wachstum“, „De-Growth“ oder „sozialen Grenzen des Wachstums“ auf sich? Und was heißt „decoupling“?Welche unterschiedlichen Ansätze für Nachhaltigkeit gibt es? Ein Thema, das lebhafte Debatten hervorrufen kann. Die Kolleg/innen brachten ihre Kenntnisse dazu ein. So zum Beispiel den Hinweis auf das Wachstumsdilemma oder auf ein sozialverträgliches, nachhaltiges „Entwachsen“ von ökonomischer Entwicklung.

Und immer wieder kamen auch methodische Fragen auf: Sind die Aussagen klar genug und leicht zu erfassen? Geht die Klarheit zulasten der Komplexität? Wie kann man beides sinnvoll kombinieren – schon um Perspektivenvielfalt zu ermöglichen? Aber ohne zu verwirren?

Nicht gerade in gediegener Salonatmosphäre, doch ein gepflegter Austausch war es auch dieses Mal, sachbezogen, von Respekt getragen und dem Interesse, Neues zu lernen.