Wandel: by design oder by desaster?

Andreas Novy von der Wirtschaftsuniversität Wien und Kollege in diesem Projekt, veröffentlichte im April 2020 zusammen mit Richard Bärnthaler und Veronika Heimerl das Buch „Zukunftsfähiges Wirtschaften“.

Was ist damit gemeint?

In der Ankündigung zu einer Lehrveranstaltung von Andreas Novy heißt es:

* Veränderungen nicht leugnen, sondern gestalten: „Das einzig Sichere ist, dass es nicht so bleibt wie es ist“. Transformation passiert, entweder by design, spontan oder by desaster.

* (individuell und gesellschaftlich) die Fähigkeit erlernen, Widersprüche wahrzunehmen und zu bearbeiten: Oft gibt es keine simplen Wahrheiten über den einen Weg zur guten Zukunftsentwicklung (richtig-falsch); manchmal eröffnet Respekt für andere Perspektiven den eigenen Horizont.

Quelle: Wirtschaftsuniversität Wien

Auf der Seite des Verlags wird das Buch wie folgt vorgestellt:

Die Welt, so wie wir sie kennen, ist im Umbruch. War die derzeitige Wirtschaftsweise für viele ein Erfolgsmodell, untergräbt sie heute ökologische Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt. Doch was heißt angesichts grundlegender Transformationen zukunftsfähiges Wirtschaften? Was bedeutet es in einer global verwobenen Welt, Verantwortung für nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften zu übernehmen? Statt die eine Lösung zu präsentieren, plädieren die AutorInnen für eine neue Kunst des Abwägens unterschiedlicher Sichtweisen und für Offenheit bei der Erforschung neuer Wege in die Zukunft.

Quelle: Beltz-Verlag

Angaben zu den Autoren enthält der Infoflyer, das Inhaltsverzeichnis lässt die Perspektivenvielfalt und thematische Breite erkennen, die Leseprobe mag davon überzeugen, sich mit dem schmalen, aber gehaltvollen Band eingehend zu beschäftigen.

Was noch aussteht, sind Rezensionen. Wir verweisen gern darauf – und könnten so den eigenen Anspruch der Perspektivenvielfalt einlösen. Also, greif zur Feder, Bürger/in. Oder in die Tasten…

Novy, Andreas, Bärnthaler, Richard, Heimerl, Veronika. 2020. Zukunftsfähiges Wirtschaften. Weinheim, D: Beltz/Juventa.

Corona-Bonds: Ja oder Nein?

Im Zuge der Corona-Pandemie wurde ein schon älterer Vorschlag diskutiert: Euro-Bonds, etwas verändert nun als Corona-Bonds. Was ist die Idee? Was spricht dafür? Was spricht dagegen?

Ja, Corona-Bonds sind nötig

Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der taz und Autorin mehrerer Bücher, darunter „Der Sieg des Kapitals“, „Deutschland ein Wirtschaftsmärchen“, „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“, spricht sich klar für Corona-Bonds aus:

In angeblich reichen Ländern wie Österreich, Deutschland, den Niederlanden oder Finnland hält sich hartnäckig der Irrtum, man würde für andere Länder zahlen, wenn man gemeinschaftliche Anleihen ausgibt. Dann kursiert immer die Sorge, dass man als Deutscher oder Österreicher seine Steuergelder nach Italien schicken würde. Das ist aber Quatsch. Es geht um Kredite, die man gemeinsam aufnimmt. Das ist schon alles. Niemand in Deutschland oder Österreich würde einen einzigen Cent verlieren.

Die Politiker/innen der genannten Länder würden Corona-Bonds ablehnen, weil sie befürchteten, dass deren Einführung die rechtspopulistischen Parteien im eigenen Land stärken könnten. Allerdings würde dabei nicht bedacht, dass eine ausbleibende Unterstützung von Staaten wie Italien und Spanien die wirtschaftlichen Probleme dort nur vergrößerten – und damit die Rechtspopulisten dieser Länder vermehrt Zuspruch erhalten würden. Sie warnt:

Die Italiener fragen sich ja bereits, was sie vom Euro eigentlich haben, wenn nur die Deutschen und Österreicher davon profitieren. Das wäre nicht nur ein wirtschaftliches Desaster, man hätte auch Europa zerstört. Das ist ein Preis, den man gar nicht zahlen kann. Die Corona-Bonds hingegen würden gar nichts kosten. Das ist das Wahnsinnige: Es wird etwas verhindert, was gratis wäre, um dann den Gesamtschaden in exponentielle Höhen zu treiben.

Das ganze Interview vom 17.04.2020 mit weiteren Überlegungen zu höheren Löhnen, einer angemessenen Besteuerung von Unternehmen, der Bekämpfung von Steuervermeidung und einem friedlichen Ausstieg aus der Logik des Wirtschaftswachstums ist in der Zeitschrift Moment nachzulesen.

Jein – jetzt ja, ansonsten nein

Unter dem Titel „Was sind Corona-Bonds – und warum sind sie so umstritten?“ führt das Redaktionsnetzwerk Deutschland auch Argumente von Kritikern an. Die gemeinschaftliche Kreditaufnahme zur Finanzierung der Krisenlasten wird dabei nicht abgelehnt. Eher ist es die Befürchtung, das Instrument könnte von Dauer sein.

Wie ist die Haltung in der Bevölkerung?

Die Redaktion der Zeitschrift Cicero bezieht sich auf eine INSA-Umfrage, wonach 64,1% der Befragten zwischen dem 27. und 30. März 2020 die Einführung von Corona-Bonds ablehnten. Dies träfe besonders auf Anhänger/innen von CDU, FDP und AfD zu. Im Westen der Republik sei der Anteil der Gegner höher als im Osten; mehrheitlich seien es Männer, die sich dagegen aussprachen.

Auf dem Portal Open Petition können Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung zum Thema kundtun. Interessant, welche Argumente angeführt werden. Beteiligen Sie sich / mach mit!

Wirtschaftliche Strategien der Krisenbewältigung

Anstelle eines fünftägigen Workshops in Tartu/Estland begann die Gruppe der Kolleg/innen aus sieben EU-Ländern mit einer Reihe von Videokonferenzen, um sich über die Beiträge für die Lernplattform auszutauschen, die gerade entwickelt wird. Das erste Meeting war der Diskussion von zwei Artikeln gewidmet. Der eine entstammt der Feder der spanischen Partnerinnen von der Organisation ITD -Innovación, Transferencia y Desarrollo „Wirtschaftliche Strategien zur Bewältigung der Krise: Sparmaßnahmen oder staatliche Investitionsprogramme?“. Der andere wurde von dem Kollegen der WSEI-Universität in Lublin/Polen verfasst: „Europa: Wettbewerb oder Kooperation“? Sehr „heiße Themen“, die sehr zur aktuellen Situation in Europa passen. Entsprechend anregend und fruchtbar war der Austausch.

Auftakt: Treffen in Prag

Die tschechische Partnerorganisation Aviteum lud Kolleginnen und Kollegen aus Wien/Österreich, Tartu/Estland, Dublin/Irland, Lublin/Polen, Barcelona/Spanien und Berlin zum ersten Projekttreffen vom 7. bis 9. November 2019 nach Prag ein. Gemeinsam planten wir die Gestaltung und den Inhalt der zu entwickelnden Lernplattform für sozioökonomisches Lernen. Insbesondere haben wir uns erneut intensiv mit den Zielgruppen und den Bedürfnissen der künftigen Nutzer/innen befasst. Wir diskutierten die Feinabstimmung der zu behandelnden Wirtschaftsthemen: Markt und Staat, Arbeit, Geld, Steuern, Schulden, Migration und globale Gerechtigkeit. Nun warten wir gespannt auf die ersten Texte aller Partner, um sie beim nächsten Treffen gemeinsam zu diskutieren.